Schlüsselsteine Einsiedel

Die Schlüsselsteine des Stifts St. Peter am Einsiedel im Schönbuch

Die „Schlüsselsteine“ sind Grenzsteine des Stifts St. Peter im Schönbuch und verdanken ihren Namen dem gekreuzten Schlüsselpaar, das meistens auf der dem Hofgut Einsiedel zugewandten Seite abgebildet ist.

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Schlüsselstein Rotes Tor

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Schlüsselstein Dachsbühl

 

Geschichtiches

Auf dem Einsiedel bestand schon im 14. Jahrhundert eine Einsiedlerklause, im Jahr 1460 und 1482 errichtet dann Graf Eberhard ein Gestüt und ein Jagdschluss. 1492 gründete Graf Eberhard im Bart zusammen mit dem bedeutenden Theologen Gabriel Biel das Stift St. Peter auf dem Einsiedel im Schönbuch, das in unmittelbarer Nähe des Schlosses gebaut wurde. Namensgeber des Stifts war der Apostel Paulus, dessen Hauptattribut der Schlüssel ist und wie ihn die Brüder im Stift auf ihrem blauen Mantel trugen. Im Stift lebten alle drei Stände zusammen (Geistlichkeit, Adel und Bürgertum), wie es Graf Eberhard bestimmte. Sie sollten hier gemeinsam arbeiten, beten und für alle Untertanen des Herzogs das Gotteslob feiern, zu ihrer Versorgung übertrug ihnen Graf Eberhard das Gestüt sowie Wald und Ackerland in einer Größe von 7-8 qkm. Im Jahr 1496 wurde Graf Eberhard als Klosterstifter hier begraben, später dann in die Stiftskirche nach Tübingen überführt. Das Stift wurde im Zuge der Reformation 1534 aufgelöst, das Stiftsgebäude wurde 1580 durch einen Brand zerstört.

Die Schlüsselsteine sind neben alten Grundmauerresten die noch einzigen Zeugen der Vergangenheit.

 

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Schlüsselstein Schlierbach

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Schlüsselstein Lindenallee

Standorte

Der Grenzverlauf ist in der Stiftungsurkunde beschrieben, hier werden mindestens vier Marksteine erwähnt.

„Und vachet solicher zirckel an under dem unndern wyer in Schlierbachs graben, den graben ab und ab biß unnden an das Hörnlin, und von dem Hörnlin den marckstainen nach bis in Ploppellers loch, und den selben

graben uff und uff bis oben in die Mayendickin an dem margkstain, von dem selben stain in den Dachsbüchel, und da dannen in den graben ob der Hochen Strüt, den selben graben ab und ab bis in den marckstain, und da dannen über den Honwang under der byburg hinüber bis unnden in des Mayers wyß, biß wider an den Schlierbach.“

 

 

Von den ursprünglich zehn erfassten und bekannten Steinen sind heute noch acht Schlüsselsteine vorhanden und nachweisbar und stehen auf den Gemarkungen von Pfrondorf, Pliezhausen und Kirchentellinsfurt.

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rote Linie: natürlicher Grenzverlauf / x – Standorte der Schlüsselsteine

 

 

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Schlüsselstein Büchelersklingenweg

 Schlüsselstein Süßer Wasen

Schlüsselstein Süßer Wasen

 

Beschreibung

Die aus Sandsteine gefertigten Schlüsselsteine weisen alle eine mehr oder weniger gleichmäßige konische Form auf und haben unterschiedliche Höhen. Sie sind nach unten durch einen deutlich breiteren Fuß abgeschlossen. Auf der Vorderseite, die meistens dem Einsiedel zugewandt ist, sind die erhöht herausgearbeiteten gekreuzten Schlüssel zu erkennen. Die Schlüssel sind in unterschiedlicher Weise dargestellt, charakteristisch sind aber die großen nach oben gerichteten fast quadratischen Schlüsselbärte, die nach außen weisen. Am Griff zeigen die Schlüssel rauten oder ringartige Formen, die zum Teil miteinander verbunden sind. Die unterschiedliche Ausgestaltung, die Form und Höhe könnte ein Hinweis auf verschiedene Bearbeiter und bei den Steinen Nr. 1 und 8 auf eine frühere Verwendung sein. Die Erhaltung ist sehr unterschiedlich und der Verfall der Steine im zeitlichen Verlauf ist besonders im Vergleich mit älteren Abbildungen festzustellen. Auf einem der Steine ist noch sehr deutlich die Jahreszahl „1443“ zu erkennen, auf weiteren soll 1492 und ebenfalls 1443 sichtbar gewesen sein. Die Jahresangabe 1443 deutet auf eine bereits frühere Nutzung hin.

 

Eine detailiertere Beschreibung und zur Frage, ob es ursprünglich mehr als diese zehn Schlüsselsteine gab, siehe Verweise 1)

Tabellarische Übersicht der Schlüsselsteine

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(Nummerierung nach Inge Schöck, 1978)

 

Verweise:

1) Klaus Hermann: Die Schlüsselsteine des Stifts St. Peter im Schönbuch. In: Reutlinger Geschichtsblätter NF 51, S. 215-230 – mit weiteren Quellen und Literaturangaben

2) Andreas Heusel, Das Stift St.Peter zum Einsiedel im Schönbuch (1492-1537), Tübingen, 2016

3) Kleindenkmale im Naturpark Schönbuch

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Schlüsselstein Unterämtler Allee

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Schlüsselstein Ochsenklinge