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Linde Dörnach

Gebäude

Wohnhaus und Scheuer 1890

Im Jahr 1890 wurde vom Gniebeler Bäcker Ludwig Schäfer ‚ein zweistöckiges Wohnhaus und Scheune unter Giebeldach von Falzziegeln‚ gebaut. Es bekam die Hausnummer 48 und stand ‚In der heiligen Gasse‚.

Von Beginn an war eine Bäckerei mit geplant, der Backofen in der Backküche und die Backstube fanden im hinteren Gebäudeteil des Wohnhauses ihren Platz. Bereits 1892 erweiterte Ludwig Schäfer, jetzt „Bäcker und Wirth“ das Gebäude um einen neben der Scheune liegenden Gaststall und dahinter liegenden Schuppen.

Umbau 1915

Beim Wiederaufbau der abgebrannten Scheune nahm dann 1915 der damalige Besitzer Andreas Bernhart gleichzeitig Änderungen vor. So wurde die Backstube in den ehemaligen Stall verlegt und die frühere Backstube und Wohnzimmer wurden zu Wirtschaftsräumen umgebaut.

Das Gebäude wechselte im Laufe der Jahre mehrfach seine Adresse. So wurde aus „In der heiligen Gasse“ zunächst die Brunnenstraße, später die Lindenstraße bevor es dann über die Tübinger Straße zur heutigen Schönbuchstraße gehörte.

 

Wirte

Gasthaus um 1910

Aus den Anfangsjahren liegen keine amtlichen Erlaubnisse mehr vor, allerdings kann aus den geführten Berufsbezeichnungen geschlossen werden, dass Ludwig Schäfer seit zumindest 1892 neben seiner Bäckerei auch eine kleine Wirtschaft führte, die zunächst „zum grünen Baum“ hieß. Wohnzimmer und Backstube boten sicher genug Platz für die Gäste aus dem damals noch kleinen Ort.
Zwischen 1902 und 1910 führte sowohl die Bäckerei als auch die Wirtschaft Jakob Steinhilber, bevor sie anschließend wieder Ludwig Schäfer übernahm.
Nach diesem folgte für ein Jahr Gottlieb Nonnenmacher. Neuer Besitzer war ab dem Jahr 1914 schließlich Andreas Bernhart, der sowohl Bäckerei als auch Wirtschaft weiter führte. Mittlerweile hatte sich der „grüne Baum“ zur „Linde“ gewandelt. Der Bäckereibetrieb wurde 1918 von Andreas Bernhart eingestellt.
Jakob Bauer und Gottlob Kuhn waren die nächsten Wirte, bevor schließlich Wilhelm Decker deren Nachfolger wurde. Otto und Else Decker führten ab der sechziger Jahre Gaststätte und Kolonialwarenladen weiter. Else Decker betrieb ihren Laden, in dem alles Notwendige zu kaufen war, bis zum Jahr 1988. Die originale Ladeneinrichtung ist heute im Dorfmuseum in Pliezhausen zu besichtigen. Gaststätte und Laden wurden danach in der bestehenden Form noch einige Jahre betrieben.

Nach seiner Renovierung erstrahlte dann das Gebäude in neuem Glanz, ehemaliger Laden und Wirtschaft wurden zu zwei gemütlichen Gasträumen umgestaltet, die zum Verweilen einladen. Seit 2003 wird das „Landgasthaus zur Linde“, das für sein kulinarisches Angebot weit über Pliezhausen hinaus bekannt ist, von Irene und Andreas Goldbach weiter geführt.

 

 

Quelle:
Gemeindearchiv Dörnach
Bauamt Pliezhausen
Reutlinger Generalanzeiger