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Träuble / Lamm

Wirte

Johann David Ferber (1816-1889), zuvor als Wirt auf dem Bären seines Vaters und dem Ochsen des Schwiegervaters, kauft 1859 das Gebäude 62 vom Steinhauer Jacob Schmid und eröffnet nun im Tal seine Schankwirtschaft.

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Schankerlaubnis des Jacob Welsch für das Träuble

1874 kauft der Schuster Jacob Welsch (1823-1900) aus Oferdingen das Gebäude von David Ferber und erhält im selben Jahr die Schankerlaubnis auf der seitherigen Wirtschaft zum Träuble.

Sein Nachfolger auf dem Träuble ist 1878 der Schreiner Johann Georg Stückle (*1842) aus Oferdingen, der „das Haus des Schenkenwirthes Jacob Welsch daselbst erworben hat“.
Stückle, der in jungen Jahren der Heimat den Rücken kehrt und nach New York auswandert, hält es nicht in der Ferne aus. Er kehrt Ende der 1860er Jahre mit seiner in Amerika geheirateten Frau wieder zurück und kommt nach einer Zwischenstation in Rommelsbach auf das Träuble in Pliezhausen.

Stückle ist aber ebenfalls nicht lange auf der Wirtschaft und verkauft das Haus im Jahr 1881 an den in Oferdingen gebürtigen Jacob Kurz (1853-1889).
Unter Kurz wird das seitherige Träuble zum ersten Mal als „Lamm“ erwähnt. Als mögliche Erklärung für die Umbenennung könnte angenommen werden, dass seine Ehefrau Rebecca Schäfer die Tochter des Lammwirts aus Oferdingen war und man nun die eigene Wirtschaft ebenfalls als Lamm weiter führen wollte.
Die beiden führen das Lamm weiter bis zum tragischen Tod von Jacob Kurz, als dieser 1889 beim Fischen im Neckar ertrinkt.

Sein Nachfolger ist der Pliezhäuser Zimmermann Theodor Bayer (1870-1961), der das Wirtsblut von seinen Vorfahren schon in den Adern hat und dessen Bruder Adolf Tobias Bayer die Krone bewirtschaftete. Theodor Bayer, der 1894 das Lamm übernimmt und die Witwe des Jakob Kurz heiratet, betreibt nebenbei auch die Posthalterei in Pliezhausen.

In der Zeit von 1910 bis 1914 erhält Albert Weimar (1893-1976) auf dem Lamm die Erlaubnis Branntwein zu brennen. Er übernimmt  im September 1923 das Lamm von seinem Schwiegervater Theodor Bayer.

Am 30.09.1929 übergibt er an seinen Nachfolger Adolf Knecht (*1888-1966), Metzger aus Pliezhausen, der den Betrieb bis zum Oktober 1932 führt.

Danach ist es Adolf Marx (*1903) aus Kusterdingen, der mit seiner Frau Käthe als Pächterin das Lamm weiter betreibt. Neben der Wirtschaft betreibt der Ehemann Adolf noch einen Fahrradhandel und eine „Benzin-Zapfstelle“.

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Gastwirtschaft Lamm 1904

Ab dem 1. April 1937 übernehmen die Pächter Pauline und Willy Krämer das Lamm, kaufen es dann 1943 und führen fortan die Gastwirtschaft. Neben dem Lamm übernehmen sie zudem noch die amtliche Güterbeförderung, später kommt dann noch das Busunternehmen dazu.
Nach über 40 Jahren auf dem Lamm setzen sie sich 1977 zur Ruhe.

Von 1978 an führt die die Wirtin Frieda Sedelmaier die Wirtschaft bis zur endgültigen Schließung weiter.

 

Gebäude

Johann David Ferber erwirbt am 29. Oktober 1859 vom Steinhauer Jakob Schmid

Kaufvertrag 1859

Kaufvertrag 1859

„ein 2stöckiges Wohnhaus und Scheuer unter einem Dach unten im Dorf an der Staige“.

Das Gebäude mit der Nummer 62 steht am „Neuen Strässle“ von Tübingen kommend und gegenüber der Einmündung der Straße, die von Oferdingen herüber kommt. Es wurde zwischen 1823 und 1845 im Gewann „in der unteren Halde“ neben der Ziegelhütte erbaut. Es besteht zunächst aus Wohnhaus und Scheuer und ist ursprünglich deutlich kleiner und so baut Ferber an das Wohnhaus ein weiteres Zimmer und eine Scheuer an. Die Wirtsstube dürfte sich zunächst im Erdgeschoss befunden haben, im ersten Stock sind die Wohnräume.

 

 

 

Später wird die Wirtschaft in den ersten Stock verlegt, über eine rechts am Gebäude hoch führende Außentreppe kommt man in die Wirtsstube. An der Rückseite des Gebäudes wird die Küche angebaut, die Stube neben der Wirtschaft wird zum Nebenzimmer erweitert.

Bau der Kegelbahn 1928

Bau der Kegelbahn 1928

So können auch größere Veranstaltungen im Lamm abgehalten werden, wie zum Beispiel der Festball zum 10. Stiftungsfests des Radfahrer-Verein Pliezhausen im Jahre 1908 oder auch die regelmäßigen Versammlungen anderer Vereine.

Unten im Erdgeschoss richtet Theodor Bayer neben dem Stall und der Remise die spätere Posthalterei ein. Seit dem 18. September 1899 hat Pliezhausen eine Postagentur, die täglich durch die Landpostbotenfahrten zwischen Reutlingen und Pliezhausen versorgt wird.
Der umtriebige Bayer ist es auch, der 1928 hinter dem Lamm in den Hang hinein eine 20 Meter lange Kegelbahn nebst Aufenthaltsraum baut.
Die Posthalterei nimmt Bayer mit in sein neues Haus, das er gegenüber dem Lamm baut.

Familie Krämer renovierte das Gebäude und baut auch die Kegelbahn auf automatisierten Betrieb um.

Im Jahr 1991 kauft die Gemeinde Pliezhausen das Gebäude, in dem dann bis zuletzt Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht werden.
Im März 2001 wird das Gebäude, das schon einige Zeit leer steht und in einem desolaten Zustand ist, abgerissen.
Neben der Posthalterei ist das Lamm auch gleichzeitig Station für die Postkutsche, die im September 1913 nach 15 Jahren ihre letzte Fahrt nach Kirchentellinsfurt antrat. Anstelle der Postkutsche wird nun ein Postauto eingesetzt, das regelmäßig von Pliezhausen nach Tübingen und auch von Reutlingen über Pliezhausen nach Walddorf fährt. Man ist zufrieden damit wie ein Bericht aus dem Reutlinger Generalanzeiger zeigt: „Der Wagen ist praktisch eingerichtet und ‚federt‘ vorzüglich“.

 

Quellen:
Gemeindearchiv Pliezhausen
Bauamt Pliezhausen
Anneliese Bantleon
Generalanzeiger Reutlingen
Kreiskatasteramt Reutlingen

/Klaus Hermann, 2016/2017/