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Krone

Die Geschichte der alten Krone von 1879 bis 1987

 

Gebäude

Ortsplan

Die „Krone“ umrahmte mit dem „Stern“ im Norden, der Pfarrmauer im Osten und

Ein 2 stöketes Haus und Hofraithen, nebst 1 gewölbtem Keller …. “. Weiter gehörte direkt südlich angrenzend eine Scheuer und Hofraum dazu, sowie neben dem Rathaus ein kleines Brennhaus.

In seiner Geschichte veränderte sich das Gesicht und die Nutzung des Gebäudes allerdings mehrfach.

Güterbuch, Bd. 9, Bl. 102

Der erste Wirt auf der Krone, Gottlob Bayer, erwarb das Gebäude mit der damaligen Nr. 74 zusammen mit der Scheune (74 A) und dem kleinen Brennhaus (74 B) im Jahr 1879 von Johann Martin Haug, lediger Bauer, der das Gebäude zwischen 1831 und 1855 von seinen Geschwistern und seinem Schwager übernahm. Möglicherweise hatte er das Gebäude bereits zuvor gepachtet gehabt, da er schon 1877 die Änderung des Zwerchgiebels beantragt hatte.

Gottlob Bayer richtete im Haus zunächst einen kleinen Wirtschaftsraum ein, riss das alte Gebäude aber 1879 dann komplett ab und baute an derselben Stelle ein neues Haus, das nun direkt an die danebenliegende Scheune angrenzte und nur durch eine Brandmauer von dieser getrennt war. Die Bäckerei baute er über die gesamte
Hausbreite zum Kronengässle hin ein, vorne am Marktplatz war die Backstube
, in der Mitte der große Backofen und nach hinten zur Scheune hin war die Backküche. Die Schankwirtschaft „Krone“ war im vorderen Bereich zur Straße hin eingerichtet.

1907 wurde das Gebäude schließlich auch als „Wohn- und Wirtschaftsgebäude“ im Gemeindekataster geführt.

In den späten 20er Jahren wurde die Krone umfassend umgebaut. Die Bäckerei wurde zur Straßenseite und Scheune hin verlegt. Der neue Backofen wurde eingebaut von Heinrich Zimmermann, Pliezhausen, dessen Name vorne auf der Backofentüre stand. Die Gastwirtschaft samt dem großen Nebenzimmer war nun auf der Längsseite zum Marktplatz.

 

1928 wurde im ersten Stock des Gebäudes ein Fremdenzimmer eingerichtet. Mitte der 30er Jahre war die Krone die einzige Gastwirtschaft in Pliezhausen, die einen Stall und eine Scheune für die Pferde und Gespanne der Fremden hatte.

Marktplatz mit Krone, im Hintergrund links der Hirsch

 

 

1950 erfolgte die Erweiterung der Gasträume im Erdgeschoss, die Küche wurde in die ehemalige Scheune verlegt und dort wo die Küche war, entstand das „kleine Wirtschäftle“. Die Stammgäste lehnten sich gern an die wärmende Rückwand des Backofens.

Als Paul Moll die Bäckerei übernahm, wurde ein Teil der Scheune zum Laden ausgebaut. Der Verkauf der Backwaren erfolgte jetzt nicht mehr direkt aus der Backstube, der Laden hatte daneben einen separaten
Zugang. Die Backstube und der Laden wurden schließlich nach der Stilllegung der Bäckerei 1967 zu Gasträumen umgebaut und zunächst unter Hans Welker als „Weinstube“ und später bei Christos Koufogiorgis als „Taverne Samotraki“ benutzt.

Krone mit Bäckerei und Laden

Die Krone wurde später von der Gemeinde Pliezhausen gekauft und im Sommer 1987 abgerissen. An derselben Stelle wurde ein neues Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Der Gastraum des neuen Wirtshauses Krone fand seinen Platz an alter Stelle, an der westlichen Seite zum Kronengässle und Entenhof hin.

 

 

 

 

Wirte

Als Schankwirtschaft ist die Krone seit 1878 dokumentiert.

Am 20. April 1878 erhielt Gottlob Bayer die Schankerlaubnis.

„… Gottlob Bayer, Bäcker in Pliezhausen … das persönliche Recht zum Ausschank von Wein, Bier, Most und Branntwein gegen Entrichtung eines Concessionsgeldes …

Im Jahr 1900 verkaufte Gottlob Bayer das Wohnhaus, Scheuer und das Brennhaus an Carl Wilhelm Schnaith aus Unterjesingen. Dieser führte die Wirtschaft und Bäckerei weiter; daneben betrieb er auch die Herstellung und den Handel mit Bierhefe. Schnaith zog Ende Oktober 1903 nach Altenriet und verkaufte die Krone an Jakob Veit. Veit war Müller aus Großbettlingen und Brückenwirt in Oferdingen. Er war seit November 1902 Kronenwirt und hatte diese im Jahr 1903 dann gekauft, verließ Pliezhausen aber bereits ein Jahr später wieder.

Adolf Tobias Bayer mit seiner Frau Christiane

Er verkaufte die Krone im November 1904, sein Nachfolger war der Bäcker Adolf Tobias Bayer, der seither schon im Haus nebenan (Haus Nr. 73) im ‚Kronenhof‘ wohnte. Dieser erhielt am 05.11.1904 die Schankerlaubnis. Somit hatte die Krone wieder einen Wirt aus der Bäcker- und Wirtsfamilie Bayer. Sein Bruder, Ernst Theodor Bayer war etwa zur selben Zeit Lammwirt und Posthalter.

Gemeinsamer Vorfahre der beiden Brüder und von Johann Gottlob Bayer war deren Großvater, der Ochsenwirt Johannes Bayer (*1753 t 1846). Adolf Tobias Bayer war bis August 1914 auf der Krone. Er verkaufte sie an Emil Schlotterbeck, der aus Kohlberg stammte. Emil Schlotterbeck, ebenfalls Bäcker, war nun für die nächsten beiden Jahre Kronenwirt. Ab September 1916 war neuer Besitzer und Kronenwirt wieder Adolf Tobias Bayer, der nun die Wirtschaft und Bäckerei weiter führte. Weshalb er die Krone für zwei Jahre verkauft hatte, ist nicht bekannt.

 

 

 

Tobias Bayer

Bis zum Jahr 1928 war die Krone eine Schankwirtschaft, danach war sie Gasthaus, nachdem nun auch eine Erlaubnis zur Einrichtung eines Fremdenzimmers im ersten Stock erteilt worden war. Im Jahr 1930 übergab er Haus und Betrieb an seinen Sohn Christian Tobias Bayer, der sowohl die Wirtschaft als auch die Bäckerei zusammen mit seiner Frau Marie fortan weiter führte. Auf Beantragung erhielt er im Jahr 1951 erneut eine Erlaubnis, im 1. OG ein Fremdenzimmer einzurichten. Nach dem Krieg wurden vermehrt auch Mittagessen angeboten, die Nachfrage nahm zu. Bekannt wurde Tobias mit seinem unvergleichlichen Kartoffelsalat und später dann auch mit den Göckele, die reißenden Absatz fanden. Auch aus den Nachbarorten kamen die Leute, um sich Göckele zu holen oder den Kartoffelsalat mit Bratwürsten schmecken zu lassen. In den letzten Jahren gab es auch noch selbst gemachtes Eis, das in Waffeln in Muschelform verkauft wurde. Zur Herstellung wurde extra eine Eismaschine angeschafft.

 Berghäusle

Berghäusle

Im August 1955 wurde dann noch die Schankerlaubnis für das „Berghäusle“, auch „Krönale“ genannt, am Winterhaldenberg oberhalb des Neckars erteilt. Es wurde am 1. September 1955 eröffnet und durfte von Mai bis September an den Nachmittagen geöffnet haben. In der ersten Zeit würden die Getränke vom Schwiegersohn Gebhard Hermann mit dem Motorrad zum Berghäusle gefahren, später lieferte die Brauerei Dinkelacker dann direkt an den Neckar. Das Berghäusle wurde bis in die Anfänge der 60er Jahre betrieben.

 

 

 

 

Nach über 30 Jahren auf der Krone setzten sich Tobias und Marie Bayer 1963 zur Ruhe. Die Gastwirtschaft wurde ab 1963 an Hans Welker verpachtet, der sie bis 1971 führte. Sein Nachfolger Heinz Pollnik war nur ein Jahr auf der Krone. 1972 wurde sie an Christos Koufogiorgis verpachtet, der sie 1975 kaufte und gleichzeitig der letzte Wirt der alten Krone war. 1987 wurde die Krone abgerissen.

 

Bäckereien

Die Backstube mit dem großen Backofen wurde durch Gottlob Bayer beim Neubau 1879 mit eingerichtet. Dem Bäckereiverzeichnis ist zu entnehmen, dass die Bäckerei seit 1880 betrieben wurde: „Inbetriebnahme der Anlage 1880“.

Grundriss Backstube 1879

Es ist anzunehmen, dass die nachfolgenden Besitzer gleichzeitig als Bäcker und Wirt tätig waren, zumindest deuten hierauf die Notierungen in den Archivalien hin. Christian Tobias Bayer war der Letzte, der in dieser Doppelfunktion tätig war. Nicht immer konnte er bei den Gästen bis zum Schluss ausharren. Oftmals kam er in der Nacht schon wieder von der Schlafstube in seine Backstube herunter, als seine Frau gerade die Tür hinter den letzten Gästen zu schloss. Zu seiner Zeit wurde ihm das Mehl von Jakob Rein geliefert, der mit seinem Pferdefuhrwerk von Mittelstadt her kam sowie vom Müller Kaspar Lutz aus Oferdingen. Dessen Pferdegespann, Hans und Liesel, zog den mit den schweren Mehlsäcken beladenen und mit einem dicken Tuch abgedeckten Wagen die Alte Steige hoch.

In den letzten Jahren wurde die Bäckerei dann verpachtet. Ab 1. Mai 1956 übernahm Paul Moll die Bäckerei, der Verkauf erfolgte nun in dem neu angebauten Laden, in dem seine Frau die Backwaren verkaufte. Das Ehepaar Moll war bis zum 30. April 1961 in der Kronen-Bäckerei, danach eröffneten sie ihre Bäckerei im Schulberg 13, ehemals „Karl Beck“. Nachfolger in der Krone war Alfred Zaruba und später noch Heinz Tacke. Im Jahr 1963 wurde die Bäckerei geschlossen.

 

Dies und Das

Schon vor über hundert Jahren hatten so manche Streitigkeiten ihren Anfang in den Wirtschaften, was

der Zeitungsartikel des Reutlinger Generalanzeigers vom 1. Oktober 1904 zeigt: „… von der Krone sei er mit Christian K. von Pliezhausen in den Hirsch und von da in die Rose gegangen.“ Geendet hat es durch einem Schlag mit einem Stein und einem Messerstich.

Dass Bäckerei und Wirtschaft zu früheren Zeiten nah beieinander waren zeigt folgender Bericht (Reutlinger Generalanzeiger, 20. Oktober 1907: „In angetrunkenem Zustand kam der Angeklagte am Samstag Abend, den 14. Juli ds. Js., in die Kronenwirtschaft in Pliezhausen. …. daß B. gegen den Angeklagten erst mit einem Backscheit eingeschlagen hatte, nachdem er von diesem gestochen war.

Neben dem Most als Hauptgetränk wurde in den Anfangsjahren der Schankwirtschaft auch Bier ausgeschenkt, das von der Brauerei Bräuchle in Metzingen gebracht wurde. Später war es dann die Brauerei Dinkelacker aus Stuttgart, die die Krone belieferte.

Während des zweiten Weltkriegs wohnten in der Krone neben der Wirtsfamilie und den anderen Mietern auch noch ein Ehepaar aus Stuttgart mit ihren Töchtern. Später kam eine weitere Frau mit ihrer Tochter, ebenfalls aus Stuttgart, hinzu. Die Krone war bis auf die letzte Ecke belegt.

Als Bäcker wurde Tobias Bayer grundsätzlich für die Versorgung der Einwohner benötigt, aber ein oder zwei Mal musste er als Soldat doch auswärts Dienst leisten. In dieser Zeit wurde er in der Backstube vom Bäcker Gottlieb Weimer vertreten.

Sobald es Fliegeralarm gab, versammelte sich die Nachbarschaft aus dem Entenhof im tiefen Gewölbekeller der Krone. Nach der Entwarnung gab man dann auch mal der Bitte des kleinen Mädchens nach einem Schlückchen Bier nach, wer hätte es versagen können. Daneben gab es aber auch den Jungen, der trotz des Alarms in der darüber liegenden Wohnung blieb und die Zeit nutze, um seinen Hunger zu stillen und die Vorräte seiner Mutter („des Saumale hod elles gessa“) zu plündern.

Als das untere Dorf von einer Bombe getroffen wurde, holte Tobias Bayer die zwei über und über mit Staub verschmutzten Mädchen in die Krone, wo sie dann versorgt und gewaschen werden konnten. Während der Besatzungszeit richteten die Franzosen in der Krone ihr Casino ein. Alle bis auf Tobias und Marie Bayer mussten ausziehen. Tobias musste Brot und Bisquits backen, Marie in der Küche mithelfen und kochen. Sie bestand allerdings darauf, dass Käthe Maier aus dem Entenhof, die französisch sprach, zu ihr mit in die Küche durfte, womit die Franzosen auch einverstanden waren. Als eines Morgens Tobias Bayer, der in der Backstube auf der Mulde schlief, aufwachte und in den Gewehrlauf eines französischen Soldaten blickte, dachte er, die letzte Stunde hat geschlagen. Andererseits erinnert sich Tochter Hildegard, die ihrem Vater in der Backstube immer helfen musste, dass sie von einem Schwarzafrikaner stets mit Kaffee versorgt und gut bewirtet wurden.

Faschingsveranstaltung

Nach dem Krieg wurde für ein paar Jahre sonntags von 14 bis 17 Uhr und von 18 bis 22 Uhr das Tanzbein geschwungen. An der Kasse saßen Egon Haug und Kronenwirtstochter Hildegard und kassierten 50 Pfennige Eintritt. Die Musik lieferten Edmund Bayer und Gebhard Hermann mit der Handharmonika, Helene Münzinger war am Klavier, Heinz Kuhn am Schlagzeug und Ewald Kuhn begleitete mit den Löffeln. Auch der Tanzkurs scheint gut besucht gewesen zu sein. Alles in einer Zeit, in der die jungen Männer an den Tanzabenden den Most in Eimern von zu Hause mitbrachten.

Das große Nebenzimmer bot Platz für allerlei Feste und Feiern.

 

 

 

Quellen:

Gemeinde Pliezhausen (Gemeindearchiv und Bauverwaltung)
Familienregister Standesamt Pliezhausen
Kirchliches Familienregister
Archiv Reutlinger Generalanzeiger
Privatfotos
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Notariat Walddorfhäslach

 

/Klaus Hermann, 2014/