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Hinweise auf die Burganlage

Literatur und Urkunden

In der Oberamtsbeschreibung von Tübingen aus dem Jahr 1867 ist der erste Hinweis auf eine Burg in Pliezhausen vorhanden: „In dem 1⁄4 Stunde nordöstlich vom Ort gelegenen Schelmenwald stand eine Burg, von der noch Ueberreste des Burggrabens und der Kellergewölbe vorhanden sind“.

Die archäologischen Hinweise auf diese mittelalterliche Burg sind zwar vorhanden, aber insgesamt sehr dürftig. Auch gibt es keine primären Urkunden, die die Existenz der „Burg Mörsberg“ konkret belegen. Die urkundlichen Hinweise sind sekundär und können nur als Indizien herangezogen und in Kombination auf Name und Besitzer schließen lassen.

 

Zwei Urkunden sind es, die auf Mörsberg hinweisen:

 

  1. Johann von Wurmlingen, auch als Johann von Mörsberg bekannt, besaß eine Wiese unterhalb der Burg Mörsberg. In dieser Urkunde vom 19.06.1291 wegen eines Streits mit dem Kloster Pfullingen wird die Burg Mörsberg genannt
  2. In einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1334 sind sieben Bauern aus Pliezhausen und Dörnach genannt, denen die Bewirtschaftung der Felder gegen Abgabe des sechsten Teils erlaubt wird. Sie erhielten zudem das Recht in den zu Mörsberg gehörenden Wald Pfähle einzuhauen, um dort Weinberge anlegen zu können.

 

Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 602 Nr 13103 = WR 13103

Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 602 Nr 13103 = WR 13103

Durch die Nennung der Pliezhäuser und Dörnacher Bauern musste Mörsberg also in unmittelbarer Nähe gelegen haben. Ebenso musste sie über einen Hof verfügt haben, der einst Felder und Wald bewirtschaftet hatte.

Forstlagerbücher und Karten

Forstlagerbücher aus der damalige Zeit geben ebenfalls keinen direkten Hinweis auf eine Burg. Zwar existiert ein kolorierter Riss eines Gebiets „Herrschaftlicher Wasserfall“, aber auch ohne einen Hinweis auf eine Burg. Allerdings wird in Akten zum Tübinger Forst von 1760 immerhin eine „Steineburg“ erwähnt.

 

Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 107/18 Bd. 52 Bl. 97, Bild 1

Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 107/18 Bd. 52 Bl. 97, Bild 1

 

Ein weiterer Blick in historisches Kartenmaterial trägt leider auch nicht dazu bei, Hinweise auf die Burg zu gewinnen. Auch das Forstkartenwerk von Andreas Kieser, der den fraglichen Bereich in der Karte 212  „Bämpflingen“ aufgenommen hat, enthält nur den Hinweis „Herrschaftlicher Wasserfallwaltt“, aber keinerlei Gebäudekennzeichnung.

In einer Karte von Pfarrer Majer, der als bedeutender Kartograph aus Walddorf für seine genauen Kartierungen bekannt war und eine sehr detaillierte Karte anlässlich eines geplanten Mühlenbaus südöstlich von Dörnach fertigte, ist Mörsberg ebenfalls nicht zu finden.  Die Burg Wildenau und auch Hammetweil hatte er allerdings eingetragen.

In noch späteren Kartenwerken ist die Burg ebenfalls nicht enthalten.

LIDAR-Scan

Im Bereich der Burgstelle ist klar umrissen der eigentliche Burghügel erkennbar, daneben die auch heute noch erkennbaren Gräben und Wälle. Aber insbesondere auch drei Erdanhäufungen (Schutthügel), die in den nördlichen Hang zum Merzenbach hin hineinragen und von den Aushebungen der Gräben stammen. Beachtenswert ist die dritte, weiter westlich erkennbare Anhäufung im Abhang. Davon ausgehend, dass sie ebenfalls vom Erdaushub des Grabens stammt, würde sie somit den vermuteten dritten und vorgelagerten Graben bestätigen, der weiter westlich in Richtung Pliezhausen und dann zum Neckar hin verlief und durch die Steinbrucharbeiten vollständig beseitigt wurde.

Damit würde sich auch die Vermutung bestätigen, dass es sich insgesamt um eine größere Burganlage gehandelt hat.

Grabungen

Bei der Erweiterung des Steinbruchs in östlicher Richtung ist man 1957 beim Abbau der Vorburg auf die Überreste eines 16 x 12 m großen Steingebäudes gestoßen, deren Mauerreste noch bis zu 1,5 m hoch waren. Jänichen ging davon aus, dass es eine größere Burg gewesen sein muss, mit einem Grabungssystem in östlicher Richtung und an der Stelle des noch vorhandenen Burgfrieds eine größerer Turm.

Die Grabungsarbeiten erfolgten im April 1957 durch das Staatliche Amt für Denkmalpflege in Tübingen. Leider gibt es hierzu keinen Grabungsbericht mehr.

Sagen

Im Zusammenhang mit der Burg Mörsberg gibt es sowohl in Pliezhausen als auch Mittelstadt Sagen, die aus Erzählungen der Bewohner überliefert wurden und sogar Einzug in die Literatur gefunden haben.

 

Das Burgfräulein und der Hund mit dem Schatz

Es gab dort unten früher eine Burg. Auf dieser lebte ein Burgfräulein, die irgendetwas Verbotenes gemacht haben soll und seither dort herumgeistert. Ebenso soll dort ein Hund sein, der auf einer Kiste Gold sitzen soll und diese bewacht.

Weitere Sagen sind „Das Nachtfräulein“ und „Die Edelfrau“